Radrennen etabliert sich – hochkarätige Besetzung

Der kleine Luca strahlte seine Mutter an: „Hat Superspaß gemacht, kann ich nächsten Sonntag wieder?“ So sehr sich die Mutter über die Begeisterung ihres Sprösslings freute, aber am nächsten Sonntag wird es nicht gehen. Denn Radrennen in Ebersheim gibt es nur einmal im Jahr. Dies jedoch offenbar mit ständig wachsender Beliebtheit. Zum „Fette-Reifen-Rennen“ der Kinder bis elf Jahre drängten sich am Vormittag bereits mehr als 60 Nachwuchs-Rennfahrerinnen und –Rennfahrer an der Startlinie. Zwei Runden hatten sie zu absolvieren, ein kurzes Rennen von knapp zwei Kilometern, aber auch bei der großen Tour de France kann die Stimmung kaum besser sein.

Nicht nur die Kinder kamen beim Großen Weinpreis von Mainz-Ebersheim auf ihre Kosten, sondern auch die Meister ihres Fachs. Das Profirennen am Ende des Renntages sah „einige der besten Rennfahrer Deutschlands am Start“, wie Streckensprecher Alfred Eichler euphorisch vermerkte. In der Tat: Vier Profi-Mannschaften machten auf ihrer Rückreise vom Bundesligarennen am Vortag im Mainzer „Radfahrer-Vorort“ Station und boten bei besten Bedingungen hochkarätigen Radsport.

„Das ist echt unheimlich, mit welchem Tempo die hier durchbrummen“, begeisterten sich Vorsitzender Axel Pfannschmitt und Organisationschef Oliver Schwarz vom ausrichtenden Radsportverein Mainz-Ebersheim. Das Rennprogramm ließ aber nicht nur Kinder und Profis auf ihre Kosten kommen, sondern bot allen die Gelegenheit, Rennluft zu schnuppern : Neben Kinder- und Eliterennfahrern traten bei den verschiedenen Rennen auch die Hobby-Fahrer, die Senioren und die C-Lizenz-Fahrer nach Kräften in die Pedale.

Selbst Bürgermeister Matthias Gill brachte sein exotisches Moulton-Faltrad beim Hobby-2-Rennen an den Start. Genauso übrigens wie die Ebersheimer Rekord-Weltmeisterin Sandra Sprinkmeier. Sie hatte ihre sechs Weltmeister- und fünf Vizeweltmeistertitel freilich nicht auf dem Rennrad errungen, sondern beim 2er Kunstradfahren. Ihre Partnerin Katrin Schultheis war derweil als Helferin hinter den Kulissen tätig, genauso wie ein großer Teil ihrer Vereinsmitglieder. Selbst Rennsport-Liebhaber befreundeter Radsportvereine halfen gerne aus. Weil es ihnen allen wichtig ist, dass ihr arg gebeutelter Sport wieder auf die Beine kommt und weil der Ebersheimer Weinpreis immer noch ein zartes Pflänzchen ist.

Das war einmal anders: Fünfzig Jahres lang bis 1997 war der Große Weinpreis ein deutscher Herbstklassiker, der die großen Rennfahrer ihrer Zeit zum Saisonausklang in den südlichsten Mainzer Vorort lockte. Das Eliterennen war damals über 150 Kilometer lang, führte durch ganz Rheinhessen und auf der Schlussrunde viermal über die gefürchtete Steigung zwischen Nieder-Olm und Ebersheim. „Irgendwann wollen wir wieder da hin“, sind sich Axel Pfannschmitt und Oliver Schwarz einig. Dass sie auf dem richtigen Weg sind, dem gebeutelten Straßenrennsport wieder eine Heimat im Mainzer Raum zu geben, glauben mittlerweile Viele, auch Dr. Marcus Klein, Präsident des Radsportverbandes Rheinhessen. „Das war ein Klasse-Radrennen, der neue Weinpreis von Mainz-Ebersheim hat sich mit der zweiten Austragung schon bemerkenswert gut etabliert“, lobte er. Die 200 Teilnehmer der verschiedenen Rennen gaben ihm Recht.

„Das ist eine gute Strecke hier, wenn´s vom Termin her passt, kommen wir im nächsten Jahr gerne wieder“, lobte Timon Loderer vom Profi-Team Erdgas Schwaben. In seinem Fall nicht verwunderlich, denn der Bayer fuhr in seiner Juniorenzeit für das Team Rheinhessen und war oft zu Gast bei seinem Teamkameraden Felix Vollmer, der direkt an der Rennstrecke wohnt. Timon war beim superschweren Bundesligarennen einen Tag zuvor Dritter geworden und landete in Ebersheim auf Rang 15. „Die Beine waren doch etwas schwer heute“, schmunzelte er und der Sechstplatzierte Chris Hatz vom Koblenzer Profi-Rennstall Kuota-Lotto bestätigte das. Der hatte am Vortag eine 100-Kilometer-Fluchtgruppe angeführt und die Sonderwertung als kampfstärkste Fahrer gewonnen. Auch der in Oppenheim wohnende Hatz fuhr einst für das Team Rheinhessen, dessen Sportlicher Leiter in Ebersheim wohnt. Es ist also was dran an dem inoffiziellen Titel „Radsport-Dorf“. Die Macher des Großen Weinpreises arbeiten daran, den Nimbus weiter auszubauen: Die nächste Auflage 2017 ist schon in der Planung. Dann darf auch der kleine Luca beim „Fette Reifen-Rennen“ wieder Superspaß haben.

J.Friedsam